So funktioniert der Mehrwertsteuer-Reformrechner
23.11.2010 | In einem Gutachten für die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) schlägt Prof. Dr. Rolf Peffekoven vor, alle Steuerermäßigungen und Steuerbefreiungen bei der Mehrwertsteuer zu streichen sowie im Gegenzug den Regelsteuersatz auf 16 Prozent zu senken. Die zusätzlichen Belastungen für Haushalte mit nur sehr geringem Einkommen sollten durch Transferleistungen ausgeglichen werden.
Der Mehrwertsteuer-Reformrechner vergleicht Peffekovens Reformvorschlag mit dem heutigen Steuersystem und den Alternativen für eine Vereinfachung der Mehrwertsteuer. Der Rechner belegt, dass Normal- und auch Geringverdiener-Haushalte durch eine Vereinfachung der Mehrwertsteuer nur geringfügige Mehrausgaben zu befürchten hätten.
Beispielrechnung:
Ein Paar mit 2 Kindern und 2000 Euro Netto-Haushaltseinkommen gibt laut EVS durchschnittlich 1936 Euro im Monat aus – größter Posten ist mit 415 Euro die Miete, gefolgt von 362 Euro für Nahrungsmittel und Getränke, 233 Euro für Mobilität und 202 Euro für Freizeit und Unterhaltung. Würde die Mehrwertsteuer nach dem Modell von Prof. Peffekoven reformiert, stiegen zwar die Kosten für Nahrungsmittel und Getränke um rund 30 Euro. Im Gegenzug würden sich aber die übrigen Ausgaben verbilligen, so dass insgesamt lediglich eine Mehrbelastung von 4 Euro und 53 Cent oder anders ausgedrückt 0,23 Prozent entsteht. Bei einer allein lebenden Frau mit 500 Euro Nettoeinkommen würde die Mehrbelastung durch die Abschaffung des ermäßigten Mehrwertsteuersatzes ebenfalls nur 0,25 Prozent betragen – oder in diesem Fall 1 Euro und 38 Cent pro Monat.
Option 1: Das heutige System der Mehrwertsteuer
Das heutige Steuersystem ist widersprüchlich und ungerecht. Ein und dieselbe Dienstleistung wird mal mit null Prozent, mal mit 7 und mal mit 19 Prozent besteuert – zum Beispiel in der Gastronomie. Niemand weiß, warum auf einen Esel 19 Prozent und auf ein Maultier nur 7 Prozent Mehrwertsteuer fällig werden. Im Ergebnis stehen 14 Milliarden Euro unnötige Bürokratiekosten.
Option 2: Das Reformmodell von Prof. Dr. Rolf Peffekoven
Der Finanzwissenschaftler Prof. Dr. Rolf Peffekoven hat einen konkreten Vorschlag gemacht, wie die Mehrwertsteuer einfacher und gerechter gemacht werden kann: Durch Streichen aller Steuerermäßigungen und Steuerbefreiungen sowie im Gegenzug einer Senkung des Regelsteuersatzes auf 16 Prozent.
Option 3: Streichen von Ausnahmen ohne Ausgleich
Nur die Ausnahmen zu streichen und den Steuersatz bei 19 Prozent zu belassen, wäre nichts anderes als reine Steuererhöhung. Es sollte ein Ausgleich für Haushalte geschaffen werden, die durch diese Erhöhung übermäßig belastet werden.
Option 4: Streichen von Ermäßigungen mit Ausnahme der Nahrungsmittel
Ein wissenschaftliches Gutachten im Auftrag des Bundesfinanzministeriums hat ergeben: Für den Großteil der reduzierten Mehrwertsteuersätze gibt es keine hinreichenden Gründe. Sie sollten komplett abgeschafft werden. Mit einer Ausnahme: Lebensmittel. Hier erscheint der reduzierte Satz von 7 Prozent nach dem Urteil der Wissenschaftler gerechtfertigt.
Grundlage für den Mehrwertsteuer-Reformrechner
Grundlage für den Mehrwertsteuer-Reformrechner ist die Einkommens- und Verbrauchsstichprobe (EVS), die Einnahmen und Ausgaben privater Haushalte erfasst. Die EVS wird in Zusammenarbeit zwischen dem Statistischen Bundesamt und den Statistischen Landesämtern durchgeführt. Wegen ihres großen Erhebungsumfangs von rund 60.000 Haushalten ist die EVS in besonders geeignet, die Einkommenssituation, den Lebensstandard und die Verbrauchsverhältnisse der Bevölkerung abzubilden.
Da alle sozialen Gruppierungen mittels eines Quotenplans berücksichtigt werden, ist sichergestellt, dass repräsentative Ergebnisse für nahezu alle Haushalte gewonnen werden. Lediglich zu Personen in Gemeinschaftsunterkünften und Anstalten kann die EVS keine Angaben liefern. Auch Haushalte mit einem monatlichen Haushaltsnettoeinkommen von 18.000 Euro und mehr werden nicht erfasst.
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